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MYSTERIEN
MYSTERIEN, ÄGYPTISCHE.
MYSTERIEN DER ORPHIKER
MYSTERIEN DES MITHRAS
MYSTERIEN, ELEUSINISCHE,
MYSTERIENFORM IN DER FREIMAUREREI.
MYSTERIEN, HAUS DER, BEI POMPEJI
MYSTERIEN VON SAMOTHRAKE
MYSTERY,
MYSTIK,
MYSTISCHE LEITER,
MYSTISCHER TEMPEL,
MYSTISCHES MAHL


Mysterien
(griech.), wörtl. Geheimnisse, bei den alten Völkern Geheimkulte mit stufenweiser Einweihung. Unter ihrem Schleier wurden die hochsten und heiligsten Wissenschaften und Lehren eingeführt und verbreitet.
Sie bestanden nach den Anschauungen der damaligen Zeit in der kenntnis aller sichtbaren und unsichtbaren Kräfte des Universums und deren geheimen oder offenbaren Wirkungen, sie enthielten die Erklärung der Natur, die Erkenntnis des Verhältnisses aller Dinge, sie erstreckten sich sowohl über das geistige als über das sinnliche Gebiet. Ihre Lehren gliederten sich in einen physischen (Lehre von der Natur alles dessen, was in der Welt ist, von seinen Ursachen und Wirkungen usw.), mathematischen (Bewegung und Lauf der Gestirne und Einfluß der oberen auf die untere Welt) und einen theologischen Teil (Gottheit und Seele, gute und bose Geister heilige Kulte, Glauben und Wunder, kraft gewisser Worte, Zählen und Figuren und geheime Wirkungen uberhaupt). Wer dieser im Besitz der Priester (Mystagogen) befindlichen Lehren teilhaftig werden wollte, mußte eingeweiht werden, sich schweren Prüfungen (Reisen, Wanderungen) unterziehen, die ihn im Falle des Bestehens stufenweise vorwartsbrachten und schließlich zur Vereinigung mit der Gottheit (Uniomystica) führten. Dabei spielte der Gedanke von Tod und (geistiger, seelischer) Wiedergeburt (s. d.) eine ausschlaggebende Rolle. Die alten Mysterienbunde bildeten in ihrer Mitte eine esoterische Gemeinde, in der nicht die Volksgottheit, sondern der alleinige, wahre, allmachtige, allgegenwartige Gott angebetet, wahre Religion und Religiosität gefördert wurde.

Charakteristisch für das Wesen dieser kultischen Geheimbunde ist das Geheimnisvolle in den rituellen Gebrauchen, woraus eine besondere Gemütsstimmung erfließt. Opfer, Prozessionen, Gesange usw. sind wie in den übrigen Gottesdiensten, so auch die Gebrauche in den Mysterien, haben über hier stets den Charakter des besonders Geheimnisvollen. Bedeutsam für die Geheimkulte ist der Gebrauch des Symbols. welches auf sinnlich-anschauliche Weise das Göttliche gegenwartig macht und in der Fortentwicklung der Kultur vergeistigt wird.

Symbolgebrauch und Gemeinschaftsbildung sind die Gründlagen der religiösen Genossenschaften, von denen die Mysterienbünde eine besondere Art darstellen. ,,Alle Symbole haben etwas Geheimnisvolles, und alle Symbolbunde haben sich im Besitze von Geheimnissen gefühlt, die sie nach außen durch Verhüllung und Verhehlung zu schützen suchten." Die Blütezeit der Symbolbünde ist das ausgehende Altertum, als eine zweite Blütezeit kommt das 17. und 18. Jahrhundert in Betracht. ,,Die Symbolbünde sind meist des Glaubens, daß sie von jeher bestanden und ihr ,Geheimnis' durch Tradition aus den urältesten Zeiten, schließlich von Gott selber empfangen hätten.
Besonders hat im Freimaurerbunde der Gedanke einer lückenlosen Überlieferung der Bundesgeheimnisse vom Ursprung der Menschheit durch alle Zeiten bis zur Gegenwart hie und da Ausdruck gefunden." Historisch gesehen wissen wir soviel, daß eine ideelle, formale Linie der Geheimbunde von den Kultverbanden der Babylonier, Ägypter, Inder, Perser, Griechen, Römer zu den Gemeinden der hellenistischen und fruhchristlichen Zeit geht, weiter zu den christlichen Bunden des Mittelalters (Ritter und Monchsorden, Werkbruderschaften) und endlich zu den Symbolgenössenschaften der neueren Zeit, zu den Rosenkreuzern (s. d.) und Freimaurern, daß aber von einer stammbaumartigen Verflechtung der Freimaurerei mit den alten Kultverbanden nicht die Rede sein kann. ,,Der Freimaurerbund ist der einzige echte Mysterienbund, der in der Gegenwart noch lebendig ist. In ihm allein kann man durch die Erfahrung und das unmittelbare Erlebnis lernen, was sich sonst nur aus Buchern muhsam gewinnen laßt."
Das Wort Mysterien = Geheimnisse deutet auf den wesentlichen Gründcharakter der Symbolbunde hin. Der religiose Beruf, der dem Priester seit je eine hervorragende Stellung verliehen hat, ist mit der Tatsache verknupft, daß das Geheimnisvolle, ungeheure Macht Ausübende der priesterlichen Funktion geschutzt und nur bestimmten Menschen mitgeteilt werden durfe. Das kultliche Geheimnis schuf also eine enge Verbindung zwischen auserwählten Menschen. Im Zusammenhang damit ist es nun verstandlich, daß sich ,,geheime Verbindungen nicht an die bekannten, durch den öffentlichen Priesterkult verehrten Gotter und Geister wenden, sondern an neue und besondere Machte".
Der echte Mysterienbund schließt sich gegen Unberufene ab und ubt einen Kult aus, der nur seinen Mitgliedern zur kenntnis kommt. In den Mysterienbunden war die Hauptsache immer das Religiose, das im Symbol, im Ritus, seinen Ausdruck fand. Die Lehren der Symbolbünde gaben sich verschieden nach Zeit und Ort- sie wechseln und passen sich den jeweiligen Zeitformen an. Die Symbole aber bleiben; demgemäB waren ,,die Mysterienbunde zu allen Zeiten weniger Denkerklubs als Heilsgemeinden; ihre Mitglieder suchten weniger Belehrung und Unterricht als Leben, Schonheit, Frieden, Gottlichkeit". ,,Es tritt bei jedem höherstehenden Volke ein Augenblick ein, wo der Glaube an die mythologische Welterklärung ins Wanken gerat Die Gebildeten losen sich, teils durch wissenschäftliche Betrachtungen, teils durch Vergleiche mit anderen Volkern angeregt, von der Volksaberlieferung los; sie werden ungläubig, wie man es nennt. Diese Entwicklung, die unabwendbar und unaufhaltsam ist, hat am meisten zur Entstehung jener Meinung, daß die symbolische Erfassung der Wahrheit immer mehr der begrifflichen Erfassung weichen müsse, beigetragen- denn wirklich wird durch die Verbreitung des ,Unglaubens' das Gebiet des Mythos und damit auch das Gebiet des religiösen und sittlichen Symbols verkleinert.
Aber auf der anderen Seite er halt durch diese Entwicklung das Symbol schaffen eine Großere kunstlensche Freiheit und weil man durch die bessere Welterkenntnis zu einer einheitlicheren und geschlosseneren Auffassung von Gott und Welt gelangt, wird nun auch die Symbolik wichtiger und Großartiger gestaltet. Was sie in bezug auf Phantasiereichtum einbüßt, gewinnt sie durch sittliche Vertiefung". (Vergl. August Horneffer ,,Symbolik der Mysterienbunde".) — Diese sittliche Vertiefung ist es eben, welche die Gegenwartsmaurerei ihrer Abkunft gemäß und getragen von ,,der besseren Welterkenntnis" unsrer hochstentwickelten Kultur erstrebt. Zu dieser ihrer Tätigkeit bedarf sie gleichermaßen des Festhaltens an der Tradition der Symbolik wie auch des Ausbaues ihrer praktischen Lehren und Arbeiten, die sie den Bedurfnissen und Notwendigkeiten der Gegenwart anpaßt. So sieht sich der Freimaurer vor die umfassende Aufgabe gestellt, in dem Gebrauchtum, dem er sich glaubig hingibt, den innigen Zusammenhang des Bundes mit den Mysterien festzuhalten und jene sittlich-geistige Tätigkeit zu entfalten, welehe dem Zeitgeiste entspricht. Symbol-Tradition und humanitäre Gegenwartsarbeit mussen sich in ihm zu einer einheitlichen, geschlossenen Weltbetrachtung und Lebensgestaltung vereinigen.
Mysterien, Ägyptische.
1. Osiris-M. Der gute Gott Osiris (s. d.), König von Unter- und Oberägypten nach Plutarch das Kind des Erdgottes Keb und der Himmels Königin Nut, nahm die kluge und zauberkundige Isis, seine Schwester, zum Weib. Diese, die die Ägypter Getreide- und Weinbau lehrte, hatte einen Brüder namens Seth (Typhon), der sich gegen Osiris verschwör, ihn totete und den Leichnam in einem Kasten im Nil versenkte. Isis suchte die Leiche, fand sie nach schweren Kampfen, Abenteuern und Wundern und erweckte mit der Kraft ihrer starken Liebe den Gemahl, trotzdem Seth den Leichnam zerstuckelt hatte.
Osiris wurde nun Gott der Unterwelt. Dieser Legende, vom Tod des Osiris und seinem Wiedererwachen, folgte wohl das Ritual der Osiris-M., aber die im ubrigen fast nichts wirklich Positives bekanntgeworden ist. Neuere Ausgrabungen haben ein ,,Osireion" aus der 19. Dynastie blosgelegt (1300 v. Chr.), das tief unter dem Erdboden liegt und reich mit Darstellungen und Inschriften aus dem Totenbuch geschmückt ist. Durch einen kreisformigen Graben wird eine Plattform gebildet; wenn mit dem steigenden Nil das .,neue Wasser" kam, stieg es natürlich auch im Graben, und so wurde die Plattform zu einer Insel, die dann beim Osiriskult eine Große Rolle spielte. Eine Stelle im Louvre, die Hermann Kees der 11. Dynastie zurechnet (der Zeit nach dem Zerfall des alten Reiches, kurz bevor Amenemhet I. um 2000 v. Chr wieder ganz Ägypten beherrscht), wird als ,,Osirismysterien" bezeichnet.
Sie stellt nach Ansicht der nashaften Ägyptologen Tod, Wiederbelebung und Begrüßung des Wiedererwachten dureh die Götter dar. Moret namentlich sieht in diesem schwer zu enträtselnden Bild die Wiedergabe einer osirischen Geheimfeier, bei der man den Einzuweihenden die Gewißheit der Unsterblichkeit, den Tod als ,,Wiege des Lebens", erleben ließ.

2. Isis-M. Zur Zeit des römischen Imperiums breiteten sich als letztes Kultgeschenk Ägyptens an die alte Welt die Isis-M. aus, in deren Mittelpunkt die mütterliche Isis stand, neben der Osiris einigermaßen in den Hintergründ trat. (Der letzte Isistempel auf der Nilinsel Philae wurde 560 n. Chr. auf Befehl Justinians geschlossen.) Die M. trugen ekstatischen Charakter. Als wichtigste Quelle für die Isis-M. im Romerreich ist der Roman ,,Methamorphosen" (,,Der goldene Esel") des Apulejus zu betrachten, dessen Held Lucius sich dem Isisdienst weiht, ,,in die Geheimnisse der heiligen Nacht eingeweiht" wird. Es handelt sich sicherlich um Selbsterlebtes, wenn der römische Rechtsanwalt der im Traum den Befehl der Göttin erhielt, seine Einweihung nach zehntagigem linden Fasten folgendermaßen andeutet: ,,Ich ging bis zur Grenze des Todes; ich betrat Proserpinens Schwelle, und nachdem ich durch alle Elemente gelangt war, kehrte ich wiederum zurück- um Mitternacht sah ich die Sonne mit hellweißen Lichtstrahlen; vor die unteren und oberen Gotter trat ich hin, von Angesicht zu Angesicht, und betete sie aus nachster Nahe an." Auch in diesen Mysterien handelte es sich also um Tod und Wiedergeburt, um das Sterben, wie Plutarch es umschrieben hat: ,,Im Sterben widerfahrt der Seele dasselbe wie denen, welche in die Großen Weihen eingeführt werden, weshalb auch das Wort von der Tatsache des Sterbens (teleustan) dem Wort des Eingeweihtwerdens (teleistai) entspricht" (Vergl. Karl Aram, ,,Magie und Zauberei in der alten Welt".)
Mysterien der Orphiker
hatten keinen bestimmten heiligen Kultort, sie entwickelten sich hauptsachlich in Attica und Unteritalien. Sie führten auf den mythischen thrakischen Sänger Orpheus zurück. Die orphischen Prediger zogen von Stadt zu Stadt und ließen in Heiligen Hausern" ihre Dromena (Heiligen Spiele) aufführen. Im Mittelpunkt des Mythus stand Dionysos, der Sohn Zeus und der Persephone, als Unterweltsgott auch Zagreus genannt, im Kampf mit den Titanen. Dionys Zagreus nimmt vielerlei Gestalten an, um ihnen zu entrinnen, aber als Stier packen ihn die Titanen, reißen ihn in Stücke und verzehren sie. Atheno rettete das Herz des Getoteten und bringt es zu Zeus, der es verschlingt. Daraus entsteht der ,,neue Dionysos", der Sohn von Zeus und Semele, in dem Zagreus wieder auflebt. Die Titanen verbrennt Zeus zur Strafe mit dem Blitz zu Auche, daraus bildet er die Menschen.
Da nun die Titanen Dionys-Zagreus verschlungen haben, so hat der Mensch, als Gebilde aus ihrer Asche, dionysische und titanische Elemente an sich. Von letzteren sich zu befreien, ist seine Aufgabe. Titanisch ist der Leib, dionysisch die Seele. Diese von den Banden des Leibes, in den sie wie in einem Kerker eingeschlossen ist, freizemachen, war die Aufgabe der orphischen Mysterien Die orphische Lehre kannte auch den Glauben an die Seelenwanderung (Führer der Seele zur Unterwelt war Hermes). ,,Nur wer Orphiker war, konnte dem Kreislauf der neuen Verkörperungen schließlich entrinnen aus dem Kreis scheiden und aufatmen vom Elend und dann zur Insel der Seligen eingehen." Die kultischen Reinigungsvorschriften, aus denen em Reinheitsgebot wurde, waren sehr kompliziert und neigten zur Askese. In den Mysterien prägte sich das Erlebnis der Ekstasis aus, des in ihr erfahrenen ,,Schauens" (Epoptie). (Vergl. Kurt Aram ,,Magie und Zauberei in der alten Welt".)
Mysterien des Mithras
(s. Mithraskult).
Mysterien, Eleusinische,
der bedeutendste der griechischen Geheimkulte der klassischen Zeit, die dem Eingeweihten Licht und Erkenntnis vermitteln sollten. Ihre Entstehung liegt im Dunkel. Eumolpos, Sohn des Poseidon, ein in Ägypten Geweihter, galt als Stifter, als Ahnherr des eleusinischen hohepriesterlichen Geschlechts der Eumolpiden, das immer den Hierophanten, den Hohepriester, stellte. Die E. M. waren während mehr als 1000 Jahren der Kultus der beiden eleusinischen Gottinnen Demeter und Persephone. Während der Dauer der Mysterien hielten kriegführende Heere Waffenruhe.
Dem Dienst der ,,beiden Gottinnen" wurde heiligende Kraft zugeschrieben. ,,Der Einzuweihende kam in Berührung mit dem Überirdischen- der Schleier der die unsichtbare Welt von der Großstofflichen Welt trennt, wurde vor ihm gelüftet er sah das Große Licht von Eleusis". Ihm allein wurde nach Sophokles ,,Sterben neues Leben". Daruber, wie die Mysterien sich abspielten, ist man im Detail nicht genau unterrichtet- das Geheimnis wurde nie preisgegeben. Infolgedessen ist man auf Reproduktionsversuche angewiesen. Es gab kleine Mysterien, die sich alljährlich im Blumenmonat Anthesterion (etwa Februar). und Große Mysterien, die sich im Boëdromion, d. h. in der zweiten Septemberhälfte abspielten. Die Feiern gingen in dem Großartigen Telesterion vor sich. Den Mittelpunkt der Handlungen bildete die Vorführung des , Heiligen Dramas". Dessen Mythe laßt die als Magd verkleidete Demeter, die Große Gottin der Weltseele (die Gottin, die das Leben des Kosmos symbolisiert, Mutter Erde), die dem Dionysos, dem gottlichen Geist der alles belebenden Naturkraft, bestimmte, aber von Pluto, dem Beherrscher des Hades (der Schatten der Sinnlichkeit), mit Hilfe des Eros entführte Tochter Persephone (Kore), die Personifikation der menschlichen Seele (zugleich die Gottheit, die deren Geschicke leitet), suchen.
In Eleusis, im Hause des Königs :Keleos, gastfrei aufgenommen, schenkt Demeter dessen Sohn Triptolemos ein Weizenkorn, lehrt ihn den Ackerbau und weiht ihn in die Bedeutung des Emporkeimens der Staat zum Lichte ein. So wird sie der Überlieferung gemäß zur Stifterin des Geheimkultus zu Eleusis. Weiterziehend, teilt ihr Hekate, die Göttin der Metamorphosen, mit, daß Persephone als Gemahlin des Pluto im Hades weilt; Persephone wird befreit, Pluto will seine Rechte nicht aufgeben, Zeus entscheidet, daß Persephone zwei Drittel des Jahres bei Pluto im Hades weilen soll, bis Finsternis und Sinnlichkeit keine Macht mehr über sie haben. Der Grieche, der der Weihen wurdig erachtet wurde und nach Erfüllung der notwendigen Formalitäten als Neophyte zu den kleinen Mysterien im Tempel der Demeter in Agrae zugelassen wurde, ward nach dem Bad im Ilyssos, geleitet vom Mystagogen und dem heiligen Herold, dem ,,Hierokeryt", in den heiligen Hain geführt, wo er Tanzchöre sah, die vom Leben nach dem Tode handelten. Fasten und Gebete folgten- den Großen Gottinnen wurden Ferkel zum Opfer dargebracht, und im heiligen Hain fand dann die Belehrung über die Symbolik der Handlung des zur Darstellung gelangenden ersten Aktes statt. Die Entführung der Persephone war gleichzusetzen mit der eigenen Menschwerdung, dem Fall in die Finsternis des irdischen Lebens.
Nur das Leben vor der Geburt und das Leben nach dem Tode, lautet die Lehre, ist wahres Dasein. War dem Neophyten diese Erkenntnis aufgegangen, dann wurde er zum Mysten, dem Verschleierten, dem erst dunkles Ahnen, aber noch nicht das Große Licht aufgegangen war. Dieses erhielt er dann bei den Große Mysterien, bei denen er Epopte wurde Meditationen, Waschungen bereiteten ihn vor. Dann sah er den zweiten Akt des heiligen Dramas. Er lehrte die gottliche Liebe der Weltenseele, die die Menschenseele sucht, um sie aus dem Stofflichen zu losen; die Metamorphosen auf der Wanderung durch die verschiedenen Daseinsstufen. Opfer- und Bußübungen leiteten dann zu dem Großen Erlebnis über. In feierlichem Zug gingen die Mysten der vieltausendkopfigen heiligen Prozession entgegen, die das bekranzte Kultbild des Iakohos (Dionysos), des Wiedergeborenen, von Athen nach Eleusis brachte, den Mysten das Nahen ihrer eigenen seelischen Wiedergeburt zu kunden. Diese zu erlangen, mußten sie eine lange Wanderung durch ein unterirdisches Labyrinth antreten, das erfullt war von schrecklichen Gerauschen und graßlichen Gespenstererscheinungen und das alle Schrecknisse des Todes heraufbeschwor.
Sie gelangten in eine Krypta, in der sich der Spuk wiederholte. Dann sahen sie im Plutonion den Tod ,,Des Madchens", Persephone (,,Sterben ist Wiedergeburt!"), um dann in dem gewaltigen , in tausend Farben strahlen den Tempel die Gefilde der Seligen zu schauen, die Wanderung der Persephone, also der eigenen Seele vom Himmel zur Erde, von der Erde zum Himmel zu erleben. Sie erblickten Demeter, auf der Cyste sitzend, in der das Allerheiligste, das Große Geheimnis, verborgen war. Die neueste Forschung nimmt an, daß die eleusinische ,,Cysta mystica" eine Nachbildlmg des Mutterschoßes enthielt (als Gegenstück zu dem Phallos anderer Mysterien), dessen Berührung dem Mysten die Anwartschaft auf ein neues Leben brachte. Die Erreichung der Wiedergeburt war an ein Sakrament geknüpft, an einen magischen Akt, durch den die Gotteskindschaft errsieht und der Myste Epopte" wurde, d. h. einer, der geschaut hat (Vergl. Woldemar v. Üxkall, ,,Die Eleusinischen Mysterien"; Otto Kern ,,Die griechischen Mysterien der alten Zeit".)
Mysterienform in der Freimaurerei.
Die Freimaurerei ist ein Mysterienbund, nach August Horneffer (,,Symbolik der Mysterienbunde") ,,der einzig echte, der in der Gegenwart noch lebendig ist". Dazu machen sie: ihr Initiationskult, des Suchenden symbolisches Wandern von Stufe zu Stufe (vergl.,,Zauberflöte"), die Verbruderungsidee, das Sehnen nach dem Licht der Glaube an den Tod als andere, hohere Form des Lebens, das trostreiche Bekenntnis zur geistigen Auferstehung im Sinne des Goethewortes:
Und solang du das nicht hast,
Dieses Stirb und Werde,
Bist du nur ein truber Gast
Auf der dunklen Erde.

Was die Freimaurerei vor den Kultverbanden der alten Zeit aber auszeichnet, ist ihr Inhalt: das Humanitätsideal. Sie ist nicht, was manche aus ihr machen mochten: ein Sanktuarium von Gralsrittern. Königliche Kunst ist nicht an sich mystisch, sie besitzt keinen Schlussel zu den Welträtseln, sie baut mit irdischem Material, mit den lebendigen Menschen. Die Freimaurerei will keineswegs Offenbarung Erlosung und Unsterblichkeit vermitteln, wie dies einst das Ziel der Mysterienbunde war, nicht magisch und mystisch wirken, sondern rein psychologisch. Sie gibt nicht vor, im Besitze geheimer Wissenschaften zu sein. An Stelle der Offenbarung von Geheimnissen setzt sie die Selbsterkenntnis, an Stelle der mystischen Vergewisserung der Unsterblichkeit die Pflichterfullung bis zum Tode, dem Erlosungsgedanken gibt sie eine ethisch-humanitäre Deutung. Die Erlosung wird nicht im Übersinnlichen, Jenseitigen gesucht, sondern in der Bejahung des Schicksals, in der Betätigung des freien, seiner Verantwortung besußten Willens. Sie will ihren Jungern nicht Unsterblichkeit zuteil werden lassen, bringt blöß eine Hoffnung der Menschheit symbolisch zum Ausdruck. (Vergl. Schenkel: ,,Die Freimaurerei im Lichte der Religions- und Kirchengeschichte".)

Somit dient die M. — wenn von den mehr außerlichen Kennzeichen und Ähnlichkeiten mit den verschiedenen antiken Mysterienbünden abgesehen wird — ausschließlich dem ,,inneren Erleben", einer für das Diesseits bestimmten Weihe, die den Neophyten von der Welt trennt, um ihn nach erfolgter seelischer Steigerung dieser wieder zurückzugeben. Diese Feststellung ist um so notwendiger, als auch in Freimaurerkreisen hier und dort die Neigung besteht, die Idee des Werkbun des auf Kosten einer rein auf das Ich bezogenen mystischen Esoterik zu vernachlässigen.
Mysterien, Haus der, bei Pompeji
{Villa dei Misteri). Vor kurzem wurde an der Gräberstraße von Pompeii nach Herculanum die sogenannte ,,Villa dei Misteri" ausgegraben, so benannt, weil ein dadurch freigelegtes Wandgemälde, das bedeutendste, das von der Antike auf unsere Tage überkommen ist, Mysterien darstellt. Auf einem 17 m breiten Streifen weist das gewaltige Bild 29 fast lebene Große Figuren auf, die die Einweihungszeremonien der dionysischen Mysterien zeigen. Ursprunglich nahm man an, es handle sich um eine orphische Basilika, das Mysterienheiligtum einer Sekte. Amedeo Majuri wies aber nach, daß das Haus eine Wohnvilla war, und das Wandgemälde die dionysische Einweihung, das Leiden der Mystin, ihr Wiedergeboren werden nach dem Ritus des bacchischen Kreises darstellt, also nicht das orgiastische Treiben, das anno 186 den römischen Senat zum Verbot dieses Geheimkultes veranlaßte. Frauen bereiten die heilige Handlung vor, an der die Mutter teilnehmen.
Eine in lange Schleier gehüllte Frau kehrt öfters wieder. Durch Geißelung geht sie ein in ein Leben voll Glanz und dionysischer Weihe. In volliger Nacktheit vollfuhlt diese Mystin zuletzt, vom Gott ergriffen, mit ihm eins geworden, den Tanz der rasenden Mänaden. So folgen sich Weihe, Marter, Schmerz Verklärung und Jubel. Manche Einzelheiten sind noch ungeklärt, so die Becher-Weissagung durch Silene als Mystagogen, die Enthüllung der im Korb liegenden Symbole Usw.
Mysterien von Samothrake
bildeten den Mittelpunkt des Dienstes der Kabiren, der Religion der ,,Großen Gotter". Zu den Kulthandlungen gelangten die Mysten auf schwanken dem Boot über das Thrakische Meer. Von den Einzuweihenden wurde ethische Reinheit verlangt. Im Vordergründ des Kults stand die Verehrung eines mannlichen Paares, des Kabiros und seines Sohnes. Die Entstehung des ersten Menschen spielte eine Große Rolle. Der Phallus war das geistige Symbol des Kabirendienstes, die Versinnbildlichung seines chthonischen Charakters, der ewig zeugenden Naturkraft. Die Handlung der Mysterien bestand aus Opfern dem heiligen Drama und Hymnen. Das Widder opfer war als Sühnopfer bevorzugt, als Zeichen der Suhne galt auch die um den Leib getragene purpurne Binde. Im mimischen Spiel wurde u. a. die heilige Hochzeit des jungeren Kabiros mit der Kore (Persephone) dargestellt. (Vergl. Otto Kern, ,,Das Buch der Mysterien der klassischen Zeit", Berlin 1927.)
Mystery,
s. Mistery.
Mystik,
die vermeintliche Erfassung des Übersinnlichen, Transzendenten, Gottlichen, durch gefuhlsmäßiges Erleben in der Tiefe des eigenen Seins, Aufgehen des eigenen Bewußtseins in das unterschiedslose Wesen Gottes (Heinrich Schmidt). Innere Offenbarung, Erleuchtung Ekstase, Innenschau sind die seelischen Zustande, die zu dieser unmittelbaren Vereinigung mit Gott, der unio mystica, führen. M. ist zugleich eine All-Einheitslehre, eine Spielart des Pantheismus die die Einheit von Gott und Welt lehrt. Gott ist der Ursprung der in allen Wesen wirkenden geistigen Krafte. ,,Mystizismus kann nur jene Geistesbeschaffenheit genannt werden welche alle wissenschaftliche Begründung oder Auseinandersetzung verschmaht, die alles wahre Wissen nur von einem sogenannten inneren, auch nicht allgemein leuchtenden, sondern im Individuum eingeschlossenen Licht, aus einer unmittelbaren Offenbarung aus blößer ekstatischer Intuition oder aus bloßem Gefuhl herleiten will" (Schelling).
M. war die Geheimlehre der alten Mysterienbunde Mystiker waren die Neuplatoniker Eckhart, Suso, Tauler, Jakob Böhme. In der Gegenwart ist mystischer Einfluß in den philosophischen Anschauungen von Bergson James, Kayserling feststellbar. Der Mystizismus als Bewegung war ebenso wie die Kabbala, eine Reaktion gegen den Formalismus der kirchlichen Lehre und suchte die Religion mit lebendigem Inhalt zu erfullen. ,,Die mystische Bewegung war ein Sauerteig der gesamten Geistesbewegung" (Wolfstieg: ,,Philosophie der Freimaurerei"). Die ganze Kunst des Mittelalters neigte zur M., zur Individualisierung der Gottesverehrung; die Steinmetzen bildeten keine Ausnahme. Die Freimaurerei war schon auf diesem Wege dem Einfluß der M. ausgesetzt. Wolfstieg behauptet, daß sie mit der ,,Bruderschaft der Weisheit" und mit den ,,Mystischen Gottesfreunden" im 14. Jahrhundert in Zusammenhang zu blingen sei.

In der Symbolik der Freimaurerei spielt M. auch heute noch eine Rolle. Das so bedeutsame Symbol des Lichts kam über die Kabbalisten, Reuchlin, die Rosenkreuzer und die Pansophisten auf sie. Die Freimaurerei vergeistigte allerdings das Symbol, wie sie ja ganz allgemein ihren Kult überall in ethisch-humanistischem Sinne deutet. In der Forderung nach Selbsterkenntnis, die schon beim Mystiker Eckhart (Meister Eckhart) eine Große Rolle spielte, durfte auch die mystische Versenkung in die Tiefen der eigenen Gefuhlswelt nachklingen. Die Wanderungen des Neophyten haben mystischsymbolischen Charakter.

Im 18. Jahrhundert standen viele freimaurerische Riten auf rein mystischer Gründlage. Im allgemeinen ist man von ihnen abgekommen. Doch wird auch heute der Standpunkt vertreten (Horneffer, Schenkel), daß die Freimaurerei ein Mysterienbund ist, der seinen Kult und seine Symbole aus verschiedenen Systemen der alten Mysterienbunde zusammengetragen hat. Es darf allerdings nicht vergessen werden, daß M. nicht der alleinige Inhalt der Mysterienbunde war, sondern daß insbesondere auch Magie in diesen eine tragende Rolle gespielt hat. Stark von M. ist nach wie vor die Schwedische (s. d.), bezw. Zinnendorfsche Lehrart erfüllt, die geradezu als eine in freimaurerische Formen gehüllte Erneuerung der mittelalterlichen christlich en M. bezeichnet werden kann.
Mystische Leiter,
s. Leiter.
Mystischer Tempel,
s. Tempel, Mystischer.
Mystisches Mahl
(frz. Cenemystique), bildet den letzten Teil der rituellen Arbeit im Rosenkreuzergrad (XVIII.) des A. u. A. Schottischen Ritus. Es erinnert an die eucharistische Kommunion in den Christengemeinschaften des 2. Jahrhunderts.